Neue Ausrüstungen für die Glocken

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Instandsetzungsarbeiten an unseren kulturhistorisch wertvollen Barockglocken

Seit Jahrhunderten begleiten die Glocken des Turms der Trinitatiskirche die Bevölkerung Rottenbauers. Sie gaben dem Tag einen Rhythmus, läuteten Unterbrechungen des Alltags ein, luden zum Gebet, zum Innehalten, zur Arbeit und zu Festen ein, warnten vor Feinden oder Feuer. Geläutet wurden die Glocken von Hand – die Glockenseile hingen im Kirchturm hinunter bis in die heutige Sakristei, wo die Läutejungen ihre Arbeit taten.

Über die Glocken der ersten 3 Jahrhunderte unserer Kirche ist wenig überliefert. Wir wissen von gemeinsamer Nutzung durch „Evangelische“ und „Catholische“ zu Beginn des 18. Jahrhunderts, von Streit und Versöhnung der Konfessionen rund um die Glocken. Über Gussdaten, Größe und Klang ist jedoch nichts mehr bekannt.

Die beiden heutigen, barocken Bronzeglocken in der Glockenstube des Kirchturms der Trinitatiskirche wurden 1789 in Würzburg, vermutlich durch Lorenz Roth, aus dem Material der vorherigen Glocken gegossen. Die größere Glocke wurde von Johann Philipp von Wolfskeel, dem Letzten der Linie Wolfskeel in Rottenbauer, gestiftet. An der Schulter befindet sich eine Inschrift: „IESUS NAZARENUS REX IUDEORUM IN WURZBURG GEGOSSEN AO 1789“. Auf der Flanke steht eine dreizeilige Stifterinschrift: „IOH. PHILIPP V. WOLFSKEEL OBRIST RITTER RATH UND KAMERHERR“.

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Bildrechte Verena Große
Kleinere Glocke mit Marienrelief

Die kleinere Glocke wurde von Johann Philipps Frau Anna Maria von Wolfskeel gestiftet. An der Schulter befindet sich die Inschrift: „GOTT ALLEIN DIE EHR • INWURZBURG (sic!) GEGOSSEN AO 1789“. Die Flanke ziert eine Mariendarstellung. Oberhalb des Schlagrings steht eine zweizeilige Stifterinschrift: „MARIA ANNA FRAU OBRISTIN V. WOLFSKEEL GEBOHRENE V. MUNSTER“.

Während des 2. Weltkriegs wurden unsere Glocken als Rohmaterial für die Rüstungsindustrie zum Hamburger Glockenfriedhof abtransportiert. Zu unserem Glück fielen sie nicht in die Kategorie A – Glocken, die sofort eingeschmolzen wurden. Sie konnten nach Kriegsende identifiziert und 1947 per Schiff nach Würzburg überführt werden. Seit Dezember 1947 hängen sie wieder im Glockenstuhl der Trinitatiskirche.

So rufen unsere beiden kulturhistorisch sehr wertvollen Barockglocken seit 232 Jahren Generationen von Gemeindemitgliedern zum Gottesdienst. Die Aufgabe unserer Gemeinde ist es, diese Glocken zu schonen, sorgsam zu pflegen und bei Bedarf zu sanieren.

Im Zuge einer umfangreichen Renovierung des Kirchturms waren Mitte der 1970er Jahre - parallel zur Einrichtung der elektrischen Läute-Anlage - der historische Glockenstuhl und die Glockenjoche aus Holz durch einen Glockenstuhl und Joche aus Stahl ersetzt worden. Mehrere Experten führten uns im Jahr 2021 die negativen Konsequenzen dieser Maßnahmen vor Augen. Instandsetzungsarbeiten am Geläut waren unbedingt notwendig geworden, um größere Schäden an den Glocken zu verhindern. Die höchste Priorität hatte dabei der Austausch der Armaturen: Joche, Beschläge, Klöppel mit Wendering. Auch bei der Glockentechnik gab es Handlungsbedarf. Die veraltete elektronische Steuerung schädigte beim Betrieb die Glocken, eine Modernisierung war dringend.

Der Kirchenvorstand hatte daher 2021 die Sanierung der Läute-Anlage im Umfang von ca. €10.000,- beschlossen und bat Sie, liebe Leserin und lieber Leser, um Ihre Unterstützung. Viele von Ihnen haben dazu beigetragen, dass auch in Zukunft der volle Klang der Trinitatis-Glocken den Glauben zu den Menschen bringt! Im Jahr 2021 konnten wir uns über insgesamt 3040€ an Spenden für unsere Glocken freuen. An dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön an alle Unterstützer!

Spenden in jeder Höhe sind natürlich auch 2022 sehr willkommen, in Bar im Pfarrbüro oder als Überweisung auf das Konto der Trinitatiskirche bei der Sparkasse Mainfranken IBAN: DE90 7905 0000 0001 3006 49. Nennen Sie Namen und Adresse auf der Überweisung sowie das Stichwort „Glocken“, dann wird Ihnen selbstverständlich zeitnah eine Spendenquittung zugesandt. Danke!

Die Pandemiezeit wurde leider auch die Zeit der Lieferengpässe – gleich bei der Beauftragung der Fachfirma wurden wir von dieser informiert, dass die Sanierungsmaßnahme erst in der 2. Jahreshälfte 2022 erfolgen könne. Und „wie-es-immer-so-kommt“: inzwischen haben sich weitere Probleme ergeben, z.B. der Defekt unserer Uhrhämmer, die an den Glocken zur vollen und zur Viertelstunde schlagen. Auch eine neue elektronische Hauptuhr wurde nötig. Insgesamt werden fast 3000€ Mehrkosten anfallen.

Im September 2022 kam endlich die Nachricht: die Glockenbaufirma kommt! Die Glocken schwiegen eine ganze Woche, denn zwei Schwerlastmechaniker und ein Elektriker bauten die Läute-Anlage im Kirchturm um. Eine schweißtreibende und zeitintensive Aufgabe für die Glockenmechaniker – unsere größere Glocke wiegt immerhin ca. 300 kg.

Für ein klanglich schönes, ausgewogenes Läuten sind die Glocken-Armaturen ein entscheidender Faktor. Joch und Klöppel müssen exakt an das Maß und Gewicht der Glocke angepasst werden. Der Vorteil eines Holzjoches (gegenüber einem Stahljoch) besteht neben der in der Regel längeren Haltbarkeit vor allem darin, dass der Glockenklang positiv unterstützt wird. Ein Joch aus Holz verhindert die Übertragung von Körperschall auf den Glockenstuhl, so dass sich die Klangfülle der Glocke besser entfalten kann. Unsere neuen Glockenjoche sind daher aus massivem Eichenholz gefertigt. Die Klöppel und die Beschläge (Glockenaufhängung) wurden ebenfalls, exakt auf die Glocken abgestimmt, neu gefertigt.

An der Stelle, wo der Klöppel an die Glocke schlägt („Schlagring“), wird im Lauf der Zeit das Material dünner. Das kann dazu führen, dass die Klangqualität nachlässt oder die Glocke Schaden nimmt. Ein zu hoher Läute-Winkel war in den letzten Jahrzehnten besonders schädlich für unsere Glocken: Die bisherigen Klöppelanschlagstellen zeigten bereits 6 – 10 cm breite Abreibungen, die in die Tiefe gehen. Um dort eine weitere Abnutzung zu vermindern, wurden die Glocken bei der erneuten Aufhängung um 30 Grad gedreht.

Auch neue Glockentechnik hat in der Trinitatiskirche Einzug gehalten. Unsere bisherigen Motoren können wir weiter nutzen, aber die Läuteräder und die Ketten wurden erneuert. Eine moderne elektronische Steuerung sorgt nun für einen optimalen Läute-Winkel sowie für sanftes, ruckfreies Anläuten, so dass die Glocken sehr schonend behandelt werden. Eine neue Funk-Hauptuhr erleichtert Synchronisation und Programmierung der Anlage.

Mit viel Spannung erwartet, ertönt unser neu ausgerüstetes Geläut seit Donnerstag, den 15. September wieder! Weicher und voller klingt es nun. Viel Freude Ihnen allen beim Lauschen – hören Sie den Unterschied?